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Was ist Ironie?

Ironie bezeichnet ein Stilmittel oder eine Haltung.

Ironie als Stilmittel

Bei Ironie als einem Stilmittel bzw. einer rhetorischen Figur handelt es sich um eine besondere Form der Verstellung. Der Sprecher verstellt sich, indem er das Gegenteil dessen sagt, was er eigentlich meint, es aber so sagt, dass man dennoch begreift, was er meint. (Neben dieser Standardform der rhetorischen Ironie gibt es auch noch komplexere Ausprägungen, die ich in einem gesonderten Artikel behandeln werde.)

„Das war ironisch gemeint“

Ironiker wollen mithin verstanden werden, bloß ‚um die Ecke’. Die Gefahr ist dabei natürlich, missverstanden zu werden. De facto wird Ironie auch oft missverstanden, besonders wenn sie ‚leicht’ daherkommt. In solchen Situationen fällt dann gerne der rechtfertigende Satz: „Das war ironisch gemeint“ – sofern überhaupt noch verbal kommuniziert wird…

Man könnte sagen, dass Ironiker einem sehr positiven Menschenbild anhängen, da sie davon ausgehen, dass Menschen ‚um die Ecke’ denken können. Dabei kennen wir doch alle genug Exemplare der Gattung, die bereits große Schwierigkeiten haben, geradeaus zu denken.

Meist ist es klüger, sich seine Ironie-Großtaten für Freunde oder Publikum aufzubewahren, es sei denn, du bist Präsident einer Weltmacht oder Ähnliches. Dann wird man selbst deine verunglückten ironischen Äußerungen als Aussagen des Weltgeistes persönlich zu deuten wissen.

Warum Ironie?

Ironie – vorausgesetzt, sie wird verstanden – lockert auf und bringt Witz, Pfiff und Humor in die Situation, selbst wenn die Umstände vielleicht nicht wirklich dazu angetan sind, zu schmunzeln oder zu lachen.

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Natürlich kann man Ironie auch als Waffe verwenden, zum Beispiel im politischen Kampf (die beste Regierung, seit es Schokolade gibt…). Trotzdem sollte man sie nicht mit Sarkasmus oder Zynismus verwechseln. Ironie ist eleganter.

Ein paar Beispiele

Ironie kennt verschiedene Schwierigkeitsstufen. Lässt jemand Geschirr zu Bruch gehen und ein anderer sagt: „Super, gut gemacht!“, versteht fast jeder, dass genau das Gegenteil des Gesagten gemeint ist.

Komplexer wäre schon folgender Fall: Ein Manager ist stets fein gewandet und gestylt, in seinem eigentlichen Tätigkeitsgebiet aber haarsträubend unfähig. Nun lobt ein Mitarbeiter ihn für seinen tadellosen Kleidungsstil. Ironie oder nicht? Einerseits könnte das Lob ehrlich gemeint sein. Vielleicht aber macht sich in der Sprache des Mitarbeiters ein gewisser Unterton bemerkbar und die eigentliche Botschaft lautet: Zu kleiden versteht der Manager sich, aber das ist auch das Einzige… Die Belobigung könnte sich sogar zu einem ironischen Running Gag unter den Mitarbeitern entwickeln, die alleine wissen, was wirklich gemeint ist.

Ironie als Haltung

Ironie kann auch eine literarische, philosophische oder existenzielle Haltung bezeichnen. Beispiele sind die sokratische Ironie und die romantische Ironie.

Sokratische Ironie

Sokratische Ironie meint ein Sich-dumm-stellen, das nicht unbedingt als solches erkannt werden will und insbesondere in Diskussionen dazu dient, dem Gesprächspartner Fallen zu stellen, in welche dieser umso leichter tappt, als er sich dem sokratischen Ironiker wegen dessen vermeintlicher Dummheit überlegen fühlt.

Romantische Ironie

Romantische Ironie ist eine Theorie darüber, wie man Kunstwerke schafft. Sie geht zurück auf die Romantik und fordert im Kern, dass die Erstellungsbedingungen eines Kunstwerkes im Kunstwerk selbst reflektiert werden.

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