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Die sozialdemokratische Satirezeitschrift ‚Der Wahre Jacob‘

Der 1879 als „Illustriertes humoristisch-satirisches Monatsblatt“ gegründete ‚Wahre Jacob‘ erschien mit Unterbrechungen bis 1933.

Gründer der satirischen Zeitschrift war der Journalist Wilhelm Blos, der auch unter den Pseudonymen A. Titus und Hans Flux Artikel für das sozialdemokratische Satireheft veröffentlichte. Unterstützt wurde er bei seinem Vorhaben von dem Verleger J.H.W. Dietz.

Der Wahre Jacob war zunächst im Verlag der Genossenschaftsdruckerei Hamburg beheimatet. Infolge des Sozialistengesetzes von 1878 wurde die Satirezeitung 1881 in Hamburg verboten. 1884 erfolgte in Stuttgart die Neugründung.

Namhafte Autoren und Zeichner

Wilhelm Blos war bis 1887 Chefredakteur des ‚Wahren Jacob‘. Ihm folgten Georg Bassler, Berthold Heymann und Friedrich Wendel.

Noch heute bekannte Autoren wie Arno Holz, Erich Mühsam oder Alexander Roda Roda haben für das Blatt geschrieben.

Unter den zahlreichen Karikaturisten und Illustratoren sind besonders Otto Emil Lau, Edmund Edel, Rata Langa und Erich Schilling zu nennen.

Kampfblatt der deutschen Sozialdemokratie

Der ‚Wahre Jacob‘ war von vornherein als Kampfblatt der Sozialdemokratischen Partei gedacht, die nach dem Sozialistengesetz Bismarcks über Nacht zu einer illegalen Partei geworden war.

Dem ‚Wahren Jacob‘ fiel die Aufgabe zu, die Partei im Inneren zusammenzuhalten. Nach außen galt es, mit spitzer Feder gegen die reaktionären Kräfte anzugehen.

In Hamburg erschienen nur zehn Ausgaben des Monatsblattes. Die Auflage war zunächst bescheiden. Erst nach dem Verbot und der Wiederbelebung in Stuttgart erlangte der ‚Wahre Jacob‘ die gewünschte Wirkung. Mit steigender Popularität wuchs die Auflage – bis 1912 von 100.000 auf rund 380.000 Exemplare.

Der ‚Wahre Jacob‘ setzte sich damit an die Spitze der satirischen Blätter, die in Deutschland erschienen.

Bildsatiren in Farbe und satirische Texte gegen die reaktionäre Politik reflektierten auch die parteipolitische Entwicklung der Sozialdemokratie bis zur Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890.

Die großen Streiks der Arbeiterbewegung 1903 und 1905 wurden im ‚Wahren Jacob‘ publizistisch unterstützt. Das Blatt war zu einem gern gelesenen und massenwirksamen Organ der Sozialdemokratischen Partei geworden.

Inflation und Nazis

Die Inflation von 1923 trieb den Preis des ‚Wahren Jacob‘ in sagenhafte Höhe. Hatte ein Exemplar im Oktober 1922 noch zehn Mark gekostet, mussten für eine Nummer Mitte 1923 zwanzig Millionen Reichsmark gezahlt werden. „Erdrosselt von der Zeiten Not“ wurde die Satirezeitschrift eingestellt.

Von 1924 bis 1927 erschien das Blatt erneut und trug diesmal den Titel ‚Lachen links‘, der ab Juli 1927 in den ursprünglichen Namen abgeändert wurde.

Mit der Machtergreifung der Nazis 1933 kam für den ‚Wahren Jacob‘ das endgültige Aus.

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