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Die Satirezeitschrift ‚Fliegende Blätter‘

Die ‚Fliegenden Blätter‘ waren eine humoristische Zeitschrift, die fast 100 Jahre lang vom Verlag Braun & Schneider herausgegeben wurde.

Der Name wurde als Assoziation auf das Flugblatt gewählt.

Die Blätter beschäftigten sich in erster Linie mit dem Bürgertum, das sie in satirischen Zeichnungen, Gedichten, Reimen und Texten aufs Korn nahmen.

Viele namhafte Künstler wirkten an dem zunächst lose und später in einem wöchentlichen Turnus erscheinenden Magazin mit.

Einhundert Jahre Satire

Bereits im Jahre 1844 erschien am 7. November die erste Ausgabe, in der sich einer der Herausgeber, der Xylograf Kasper Braun, um die Illustrationen kümmerte, während der Buchhändler Friedrich Schneider die Texte verfasste.

Die ersten Ausgaben waren unterschiedlich stark und erschienen in unbestimmten Abständen. Ab der 60. Ausgabe wurde die Zeitschrift im wöchentlichen Rhythmus herausgegeben, sie enthielt jeweils acht Seiten.

Erst 1944 wurde das Erscheinen des Blattes eingestellt, damit sind die ‚Fliegenden Blätter‘ die am längsten erschienene Satirezeitschrift überhaupt.

Hohe künstlerische Qualität

Die ‚Fliegenden Blätter‘ zeichneten sich durch eine hohe künstlerische und eine besondere drucktechnische Qualität aus. Die im Verlag beschäftigten Stecher erhielten eine spezielle Ausbildung, die es ermöglichte, die Drucke direkt vom Holzstock anzufertigen. Ab 1885 wurde für die Herstellung das galvanische Verfahren eingeführt.

Die Illustrationen waren für ihre große Ausdrucksstärke bekannt und beliebt. In Karikaturen, Gedichten, Schüttelreimen und Fortsetzungsgeschichten beschäftigte sich das Magazin mit allen Berufsgruppen und Ständen.

Welch hohe Wertschätzung die Satirezeitschrift genoss, zeigt sich daran, dass zeitgenössische Schriftsteller wie Theodor Fontane in ihren Werken Bezug auf einzelne Ausgaben nahmen.

Von Wilhelm Busch bis Carl Spitzweg

Für die Illustrationen waren so bekannte Künstler wie Wilhelm Busch, dessen Werke im Verlag Braun & Schneider ebenfalls erschienen, Adolf Oberländer und Franz Graf von Pocchi verantwortlich.

Auch die berühmten Maler und Zeichner Moritz von Schwind und Carl Spitzweg arbeiteten für das Magazin. Der Arzt und Dichter Adolf Kußmaul veröffentlichte seine Gedichte unter dem Pseudonym Dr. Oribasius.

Die Entstehung des Begriffs ‚Biedermeier‘

Besondere Bekanntheit erlangten zwei Serienfiguren namens Biedermann und Bummelmaier, deren Abenteuer regelmäßig in Versform in den „Fliegenden Blättern“ erzählt wurden. „Die Gedichte des schwäbischen Schulmeisters Gottlieb Biedermaier und seines Freundes Horatius Treuherz“ lautete der Titel dieser Geschichten, die von Adolf Kußmaul gedichtet wurden.

Aus den beiden Namen entstand der Begriff „Biedermeier“, der für den biederen und konservativen Lebensstil der Zeitspanne von 1815 bis 1845 steht, und der von dem Magazin stets ins Lächerliche gezogen wurde.

Weitere beliebte Geschichten entstanden um den Baron Eisele und seinen Hofmeister, den Dr. Beisele, mit denen die adlige Gesellschaftsschicht karikiert wurde.

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