≡ Menu

Die Satirezeitschrift ‚Kladderadatsch‘

Das Berliner Satireblatt ‚Kladderadatsch‘ erschien zum ersten Mal am 7. Mai 1848.

Die für damalige Verhältnisse hohe Auflage von 4.000 Exemplaren war schon am nächsten Tag verkauft.

Gegründet wurde das Blatt von David Kalisch, der von 1820 bis 1872 lebte. Kalisch stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und war ein namhafter Autor von Komödien.

Verleger der Satirezeitschrift, die zum letzten Mal am 3. September 1944 auf den Markt kam, war der Berliner Albert Hofmann.

Schneller Erfolg und neue Autoren

Die Beiträge der ersten Ausgabe des ‚Kladderadatsch‘ stammten komplett aus der Feder von David Kalisch.

Nach dem erfolgreichen Start des Blattes konnten die Autoren Ernst Dohm und Rudolph Löwenstein gewonnen werden. Beide wurden den Lesern als „Gelehrte des Kladderadatsch“ bekannt, während Kalisch mit dem Quartaner Karlchen Mießnick eine fiktive satirische Figur schuf.

Später stieß der Zeichner Wilhelm Scholz hinzu, der, neben Gustav Brandt, mit seinen Karikaturen das Profil des Blattes schärfte und zur Vermehrung der Abonnenten beitrug.

Von 1886 bis 1909 fungierte der Schriftsteller Johannes Trojan als Herausgeber des satirischen Wochenblattes, dessen erste beiden Jahrgänge mit dem Untertitel „Organ für und von Bummler“ versehen waren.

Zeitgeschehen und Lokalkolorit

Mit der Bezeichnung „Bummler“ war kein Müßiggänger gemeint. Das Wort stand damals für einen freien Bürger, an den das Satireblatt sich richtete.

Vermischt mit viel Berliner Lokalkolorit, dem typischen Berliner Humor und viel jüdischem Witz griffen die Autoren das aktuelle politische Tagesgeschehen auf.

Typisch sind unter anderem die Bismarckgedichte und die Karikaturen, die Scholz dazu lieferte.

Der ‚Kladderadatsch‘ wurde mehrmals verboten. Kalisch und Löwenstein mussten zeitweise aus Berlin fliehen. Letztendlich verhalf die Polizeiwillkür dem Satireblatt zu noch mehr Popularität und zur Steigerung der Auflage, die 1872 auf 50.000 Exemplare gewachsen war.

Beim gutsituierten Bürgertum hatte der ‚Kladderadatsch‘ großen Einfluss auf die Meinungsbildung. Mit dem Erfolg vollzog sich ein schleichender Prozess der Anpassung an die eher konservative Leserschaft. Wurde Bismarck in den Anfangsjahren noch verspottet, so wurde er nun zum gefeierten deutschen Helden.

National gesinnt und antisemitisch

1909 erfolgte die Wachablösung. Johannes Trojan räumte den Stuhl für Paul Warncke, der nationalistisch gesinnt war.

Der ‚Kladderadatsch‘ heizte die nationale Begeisterung beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs an, bekämpfte demokratisch Politiker während der Weimarer Republik und zollte Adolf Hitler Lob nach dem misslungenen Münchener Putsch von 1923.

Ab 1933 bis zu ihrem Ende 1944 war die Satirezeitschrift unverhohlen nationalistisch und antisemitisch eingestellt.

Werbung