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Die Satirezeitschrift ‚Le Charivari‘

Im Jahre 1832 erschien in Paris die erste Ausgabe eines satirischen Magazins mit dem Namen ‚Le Charivari‘.

Ihr Herausgeber, der französische Karikaturist Charles Philipon, hatte bereits zwei Jahre zuvor mit ‚La Caricature‘ ein anti-monarchistisches Blatt gegründet.

Diese umfangreiche, auf sehr gutem Papier gedruckte Zeitschrift geriet wegen ihrer brisanten Zeichnungen häufig mit der Zensur in Konflikt.

Um die hohen Bußen zahlen und die finanziellen Einbußen auffangen zu können, nahm der politisch-intellektuelle Philipon in ‚Le Charivari‘ weniger prominente Menschen aufs Korn.

Auf vier Seiten erschienen Karikaturen gegen das zeitgenössische Bürgerkönigtum.

Politische Ereignisse und mehr oder minder bekannten Persönlichkeiten wurden auf spöttische Weise dargestellt.

Die „ernsthafteste aller Zeitschriften im Narrenkleid“

Neben den Karikaturen veröffentlichte das Blatt durchaus ernste Rezensionen, mit dem Ziel, zur „ernsthaftesten Zeitung im Narrenkleid“ zu werden, wie Herausgeber Philipon es formulierte.

Neben Theaterkritiken erschienen auch literarische Beiträge.

Als 1835 ein Verbot gegen politische Karikaturen erlassen wurde, veröffentlichte das Blatt hauptsächlich Satiren aus dem realen Leben.

In der Folgezeit wechselten die Herausgeber mehrfach. Schuld daran waren teilweise drastische Bußen, die wegen verschiedener Karikaturen verhängt worden waren.

Bis 1926 erschien ‚Le Charivari‘ täglich, danach nur noch wöchentlich, bis die Zeitschrift 1937 ganz eingestellt wurde.

Ein Neuanfang sollte 1957 mit einer Satireschrift gleichen Namens gemacht werden, der jedoch bereits 1967 sein Ende fand.

‚Le Charivari‘ hatte zu seinen Hochzeiten mehrere Nachahmer in Europa.

Ein Magazin erschien in Belgien, eine deutsche Ausgabe blieb erfolglos. Der bekannteste Ableger war der englische ‚Punch‘, der den Untertitel ‚The London Charivari‘ führte.

Wirkungsvoller Kampf gegen Monarchie und Bürgertum

Möglich gemacht hatte die Verbreitung von Karikaturen die noch sehr junge Lithografie, ein Flachdruckverfahren, mit dem farbige Drucke hergestellt werden konnten.

Dass ‚Le Charivari‘ zu Weltruhm gelangte, ist einem ausgezeichneten Team von Mitarbeitern zu verdanken. Sie entwarfen Karikaturen, die sich einen amüsanten und durchaus wirkungsvollen Kampf mit den jeweils herrschenden Monarchen wie Louis-Philippe I. oder Napoleon III. lieferten.

Zu den bekanntesten Karikaturisten gehörte Honoré Daumier, der in über 40 Jahren fast 3.900 Lithografien und Hunderte von Holzschnitten für das Magazin gestaltete.

Auch der Maler und Grafiker Gustave Doré und der Zeichner und Karikaturist Paul Gavarni gehörten zu den Mitarbeitern, die für die künstlerische Gestaltung verantwortlich zeigten.

Schöpfer des Begriffes ‚Impressionismus‘

Nachwirkungen weit über die Erscheinungszeit des Blattes hinaus hatte ein Artikel des Kunstkritikers Louis Leroy.

Der Artikel setzte sich 1874 auf herabsetzende Weise mit dem neuen Malstil der Künstlergeneration um Claude Monet auseinander.

Ihm ist zu verdanken, dass diese künstlerische Epoche unter dem Namen ‚Impressionismus‘ in die Kunstgeschichte eingegangen ist.

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