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Die Schweizer Satirezeitschrift ‚Nebelspalter‘

Seit 1875 erscheint in der Schweiz das Humor- und Satiremagazin ‚Nebelspalter‘.

Anfänglich erschien die Zeitschrift als Wochenblatt, 1996 erfolgte die Umwandlung in ein Monatsblatt, das außer im Januar und August an jedem ersten Freitag im Monat herausgegeben wird.

Nachdem das englische Satiremagazin ‚Punch‘ im Jahr 2002 eingestellt wurde, ist der ‚Nebelspalter‘ das älteste Satiremagazin, das noch heute regelmäßig erscheint.

Satiremagazin mit humoristischem und politischem Anspruch

Am 1. Januar 1875 gründete der Verleger und Redakteur Jean Nötzli, der sich selbst als kämpferischer Moralist sah, ein Wochenmagazin mit einem „illustrierten humoristisch-politischen“ Anspruch.

Vorausgegangen war die neue schweizerische Bundesverfassung, die 1874 in Kraft getreten war. Sie verstärkte die demokratischen Grundrechte der Schweizer Bürger. Nötzli nahm dieses zum Anlass, in seinem Wochenblatt seine künstlerischen Fähigkeiten für politische Zwecke einzusetzen.

Der Name ‚Nebelspalter‘ entstand während eines Spaziergangs im dichten Nebel, er versinnbildlicht den Charakter des Blattes, den Nebel, der die klare Sicht behinderte, zu spalten und politische und gesellschaftspolitische Ereignisse sichtbar zu machen.

Antiklerikale Grundhaltung

Jean Nötzli gab zunächst ein Magazin mit vier und später acht Blättern heraus. Eine ganzseitige Karikatur, Gedichte, politische Witze und ein Briefkasten nahmen aktuelle Ereignisse aufs Korn.

Vor allem die Streitigkeiten zwischen dem Bundesrat und dem Papst waren Hauptthema des Magazins, das eine antiklerikale Haltung vertrat.

Die Karikaturen wurden zweisprachig im Schweizer Dialekt und in Deutsch untertitelt und erschienen ab 1889 teilweise in Farbe.

Blütezeit während des Nationalsozialismus

Die Blütezeit des ‚Nebelspalters‘ begann 1933, als in Deutschland die Hitlerdiktatur ihren Anfang nahm.

Der Schweizer Schriftsteller Carl Böckli, der seit 1927 die Leitung des Magazins innehatte, erkannte die Gefahr und veränderte den Charakter des Blattes zu einer „gegen rote und rechte Fäuste“-Haltung.

Der ‚Nebelspalter‘ beschäftigte sich nun mit Themen wie Antisemitismus, Terror, Krieg und Rassendoktrin.

In Deutschland wurde die Zeitschrift aufgrund der gegen die deutsche Regierung gerichteten Inhalte verboten.

Abflauendes Interesse in den 1970er-Jahren

Carl Böckli, der ganz im Stile des deutschen Malers und Zeichners Wilhelm Busch sowohl Karikaturen als auch Texte verfasste, veröffentlichte bis 1962 Tausende seiner Werke unter dem Pseudonym „Bö“.

Bis in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts fand der ‚Nebelspalter‘ großen Anklang. Danach flaute das Interesse ab, und das Blatt sollte 1998 eingestellt werden. Wegen der Übernahme durch den Thurgauer Verleger Engeli konnte die Einstellung verhindert werden. Heute erscheint der ‚Nebelspalter‘ als Monatsblatt mit einer Auflage von 21.000 Exemplaren.

Viele Hundert Texte und Zeichner wirkten an der Gestaltung des Blattes mit, einige begründeten ihre Künstlerkarrieren durch ihre Mitarbeit. Darunter sind so bekannte Zeichner wie René Gilsi, Peter Stamm, Andreas Thiel oder Hans Suter.

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