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Die Satirezeitschrift ‚Punch‘

Der englische Humor hat eine eigene Dimension, und 150 Jahre lang war die britische Satirezeitschrift „Punch“ seine feste Institution.

Auf Grund der breiten satirischen Palette, der Vorbildwirkung für viele europäische Satirezeitschriften und seines langen journalistischen Lebens wurde das Blatt gern auch „Mutter aller Satirezeitschriften“ genannt.

Das erste Magazin dieser Art war es jedoch nicht. Vielmehr kam die Anregung für die Gründung des ‚Punch‘ aus Frankreich, wo bereits zehn Jahre zuvor Zeitschriften wie ‚La Caricature‘ und ‚Le Charivari‚ mit den bissigen Zeichnungen des jungen Honoré Daumier großes Aufsehen erregt hatten.

Entsprechend schlagkräftig wollte auch der erste Chefredakteur Mark Lemon zu Werke gehen, und zusammen mit den Gründern Henry Mayhew und Ebenezer Landells wurde der Name ‚Punch‘ gewählt – im Englischen das Wort für einen besonders harten Schlag beim Boxen.

In der ersten Ausgabe von 1841 wurde ein radikales Anliegen formuliert: Aufdecken der Ungerechtigkeiten, Einsatz für die Armen und Läuterung der Straffälligen – und keine „Unterhaltung“ für die „gedankenlose Menge“.

Der ‚Punch‘ – das journalistische Konzept

Tatsächlich war der ‚Punch‘ politisch oft harmlos und viel eher dazu angetan, beim Fünf-Uhr-Tee die Herren der besseren Gesellschaft zum Schmunzeln zu bringen.

Allerdings muss man bedenken, dass Satire im viktorianischen Zeitalter bereits mit kleinen Stichen große Wirkung erzielte.

Kennzeichnend für den ‚Punch‘ waren lange Beiträge, die ihren satirischen Hintersinn gern im Nebensatz entfalteten.

Sehr beliebt war auch die Kasper-Figur ‚Mr. Punch‘.

Erst in den letzten Jahren, 1996 bis 2002, suchte sich das Blatt mit schrillen Bildern, kleinteiligem Humor und der Rubrik „Sex sells“ am Markt zu halten.

Aber insgesamt steht der ‚Punch‘ für geistreiches Feuilleton und gehobenen Stil.

Im Laufe seiner Geschichte arbeiteten für den ‚Punch‘ die bekanntesten englischen Autoren wie John Betjeman, der berühmteste Lyriker des Landes im 20. Jahrhundert, Anthony Powell, der „englische Proust“, oder William Thackeray, Autor von ‚Jahrmarkt der Eitelkeiten‘ und „Snob-Kritiker“ der viktorianischen Ära.

Die Reihe der großen Karikaturisten des ‚Punch‘ reicht vom Mitbegründer Ebenezer Landells, der noch mit Holzstichen arbeitete, über den ‚Parlamentszeichner‘ Edward Tennyson Reed bis hin zum stilbildenden Cartoonisten der 80er-Jahre: Brian Bagnall.

Der ‚Punch‘ – Begleiter der englischen Zeitgeschichte

Unbestritten hat der ‚Punch‘ die witzigsten Kommentare zur englischen Geschichte (und damit im britischen Selbstverständnis zur Weltgeschichte) geliefert.

1858 war ein satirisches „Traumjahr“: Die Themse „stank zum Himmel“, und Charles Darwin veröffentlichte seine Evolutionstheorie.

Ein lang anhaltendes Thema war das Geschehen in den Kolonien, und auch die deutschen Politiker bekamen im ‚Punch‘ ihr Fett ab.

Die erfolgreichste Zeit des ‚Punch‘ lag in den 1940er-Jahren, als die ‚Insel‘ den Welteroberungsplänen der Nazis trotzte.

Von den damaligen 175.000 Abonnenten fiel das Blatt am Ende auf 6.000 zurück und wurde nach 161 Jahren 2002 eingestellt.

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