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Die Satirezeitschrift ‚Ulk‘

Die satirische Zeitschrift ‚Ulk‘ wurde 1872 von Rudolf Mosse und Siegmund Haber in Berlin gegründet, beide Mitglieder der satirischen Vereinigung „ULK – Unsinn, Leichtsinn und Kneipsinn“.

Während das Vorbild, die ‚Fliegenden Blätter‘ aus München, noch ein Überbleibsel der Revolutionszeit von 1848 war (wie in Berlin auch die ‚Nationalzeitung‘), stellt der ‚Ulk‘ den neuen Typ des Satireblatts im Kaiserreich dar, nämlich eine wöchentliche Ergänzung des publizistischen Angebots in den deutschen Regionen.

Über 130 satirische Blätter wurden damals bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges gegründet; der ‚Ulk‘ jedoch erreichte Popularität in ganz Norddeutschland. Er war die Wochenbeilage des ‚Berliner Tageblatts‘, ebenfalls von Rudolf Mosse gegründet, und erfüllte diese Funktion auch für die ‚Berliner Volks-Zeitung‘, die ab 1904 zum Mosse-Zeitungsimperium gehörte.

Die inhaltliche Ausrichtung des ‚Ulk‘

Der Mosse-Zeitungskonzern vertrat insgesamt eine liberale Denkart und wurde nicht umsonst 1934 von den Nazis ausgelöscht.

Als Zeitschrift aus der deutschen Hauptstadt widmete sich der ‚Ulk‘ der ‚großen Politik‘ und bedachte auch immer wieder den Kaiser mit ironischen Sottisen.

Adel, Spekulanten, Militär und Polizei waren die bevorzugten Themen, darüber hinaus zeichnete sich das Blatt auch durch eine gewisse erotische Freizügigkeit aus.

Auf der anderen Seite gewann der ‚Ulk‘ eine starke Identität durch die publizistische Fortführung des Berliner Volkswitzes. Dazu bediente man sich satirischer Figuren, wie sie seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts durch das Berliner Volkstheater geschaffen wurden. Das berühmteste Beispiel, der Eckensteher Nante, hieß im ‚Ulk‘ Eckensteher Nunne.

Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein erhielten die „Confektionsmamsell Paula Erbswurst“, die „Schreibmaschinistin Frieda Klapperschlange“ oder die „Frau Rentier Schladeberg“, recht naive Charaktere, Ergänzung durch die schlagfertige „Jeheimrats-Jette“ oder den „blinden Seher“ mit hintergründigerer Weltsicht.

Von der Kriegseuphorie blieb allerdings auch der ‚Ulk‘ nicht verschont. Selbst Heinrich Zille trug mit seiner Serie „Vadding in Frankreich“ und anderem dazu bei.

Mitarbeiter des ‚Ulk‘

Heinrich Zille gehörte ab 1905 zum Stamm der ‚Ulk‘-Autoren. Zu diesem Zeitpunkt war nach Siemund Habers Tod Richard Schmidt-Cabanis bereits zehn Jahre der Chefredaktur des ‚Ulk‘.

Auch Kurt Tucholsky, der schon als Siebzehnjähriger für den ‚Ulk‘ geschrieben hatte, war von 1918 bis 1920 Chefredakteur. Weiterhin befanden sich Fritz Engel, Hans Flemming, Josef Wiener-Braunsberg und Hermann Sinsheimer in dieser Position.

Bekannte Autoren waren weiterhin Erich Mühsam, Hans Brennert und Hans Reimann.

Zu den berühmten Zeichnern zählten Alfred Grosz, Lyonel Feininger, Paul Simmel oder Ernst Stern. Für viele von ihnen war der ‚Ulk‘ ein künstlerisches Sprungbrett.

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