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Merkmale der Satire

Immerhin! Die Merkmale der Satire führen regelmäßig dazu, dass wir nachdenklich werden oder lachen müssen – wenn sich ein Satiriker ihrer geschickt bedient. Es dürfte sich also lohnen, sie unter die Lupe zu nehmen.

Satire-Definition

Doch bevor wir ihre wesentlichen Merkmale genauer betrachten, wollen wir kurz zu klären versuchen, was Satire überhaupt ist bzw. wie man sie definieren könnte.

Machen wir es kurz, mein Definitionsvorschlag lautet wie folgt: Satire ist eine Kunstform, die politisch-gesellschaftliche und allgemeinmenschliche Missstände und Unzulänglichkeiten verspottet und kritisiert.

Inhaltliche und formale Merkmale der Satire

Ausgehend von und in Entfaltung dieser Definition, aber ohne wertende Hierarchisierung scheinen mir wesentliche inhaltliche und formale Merkmale der Satire folgende zu sein:

Was der Satiriker liebt und was nicht seine Aufgabe ist

Satiriker lieben die Übertreibung, den grotesken, doch entlarvenden Vergleich und die Offenlegung von Widersprüchen in Lebensführung und Gesellschaft.

Satiriker sind ironisch, sarkastisch und manchmal pathetisch.

Satire parodiert, travestiert und persifliert. Sie ist einseitig, polemisch, nicht selten aggressiv. Kurzum: Es ist nicht ihre Aufgabe, ihrem Gegenstand Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Satire als Gattung und Darstellungsweise

Literaturwissenschaftlich ist die Satire nur schwer zu bestimmen und abzugrenzen, weil sich ihre Gattungseigenschaften (Übertreibung, Ironie, Parodie… siehe oben!) mit denen anderer literarischer Gattungen und Formen vielfach überschneiden.

Du solltest aber wenigstens unterscheiden zwischen Satire als literarischer Gattung und Satire als Art und Weise der Darstellung:

Die Satire als eigenständige Gattung, also als eine spezifische, Satire genannte Textsorte, kennt dabei wieder verschiedene Unterformen: die Menippeische Satire, die Narrenliteratur der Renaissance, die Spießbürgersatire der Romantik und andere mehr.

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Satire als Darstellungsweise indes kommt in allen möglichen Gattungen vor, nämlich immer dann, wenn Dinge eben satirisch dargestellt werden, sei es in Romanen, Dramen oder Gedichten usw.

Bitte nicht verwechseln! Satire und Comedy

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung muss Satire nicht komisch sein. Du solltest Satire nicht mit Comedy verwechseln. Gut, Comedy ist häufig auch nicht komisch…

Der Punkt ist: Comedy will primär witzig sein, will primär, dass die Leute lachen. Satire dagegen will primär Missstände anprangern und Unzulänglichkeiten aufzeigen.

Satire ist kritisch, will Bewusstsein schaffen und meist auch zu Veränderungen drängen. Satire möchte belehren und bessern – direkt oder indirekt.

Irgendwo zwischen Ideal und Wirklichkeit

Satire bewegt sich in dem Spannungsfeld, das die gesellschaftlichen Werte einerseits und die oft triste Realität andererseits abstecken. Sie kritisiert die Wirklichkeit im Namen eines mehr oder weniger ausgesprochenen Ideals.

Satire kann aber auch die Normen und Ideale selbst dem Hohn preisgeben. Vor ihr ist nichts sicher – erst recht nicht das Höchste.

Widerspruch zum Zeitgeist in Totalitarismus und Demokratie

Satiriker stehen gewöhnlich im Widerspruch zum Zeitgeist. Weltanschaulich sind sie meist im linken Lager verwurzelt. Es gab aber stets auch Ausnahmen – bis in den äußersten rechten Rand hinein.

In jedem Fall lebt der Satiriker gefährlich und muss immer damit rechnen, dass er sanktioniert wird. Totalitarismen erlauben Satire höchstens, insofern sie dem Volk ein Ventil bietet, ihm ermöglicht, punktuell und ohne Risiko für das Regime Dampf abzulassen. Manche Regime missbrauchen politische Kabaretts und Ähnliches auch propagandistisch als angeblichen Beweis bestehender Kunst- und Meinungsfreiheit.

Demokratien sind für Satiriker sicher angenehmer, aber auch dort ecken sie regelmäßig an und sehen sich Klagen und anderen Repressalien ausgesetzt.

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